Life Jugendhilfe

Die Life Jugendhilfe GmbH ist ein Unternehmen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe mit Sitz in Bochum (Amtsgericht Bochum, HRB 7537), Kemnader Straße 110, 44797 Bochum. Geschäftsführer der Life Jugendhilfe ist Gerhard Lichtenberger.

Gerhard Lichtenberger war ursprünglich Leiter des Kinderheimes Overdycker Straße. Hier kam es zu Vorwürfen und einen Prozess. Zuletzt trennte man sich von Lichtenberger.

Lichtenberger machte sich dann offensichtlich selbstständig. 2003 gab es schon in der taz Berichte über Zwangsarbeit von in Chile untergebrachten deutschen Kindern und Jugendlichen. Die Bochumer Behörden winkten Lichtenberger durch.

Der Westdeutsche Rundfunk berichtete am 30.04.2015 in seiner Sendung "Monitor" und am 01.06.2015 in der Reihe "Die Story" unter anderem über die Life Jugendhilfe und einen elfjährigen Jungen aus Dorsten namens "Paul", der von Life auf einem Bauernhof in Ungarn untergebracht war.

Die Unterbringungsbedingungen in Ungarn waren mässig, aber die Life Jugendhilfe kassierte für den Jungen 7000 Euro monatlich. Der Betreuer war ein kaum des Deutschen mächtiger 73-jähriger Handwerker. Er erhielt für Aufwand und Kosten rund 800 Euro monatlich. Life selbst behielt 6.200 Euro. Ein Schulbesuch war nicht vorgesehen. Der Jugendliche hatte in Deutschland noch ein Gymnasium besucht, in Ungarn hatte er nur noch zweimal wöchentlich zwei Stunden Unterricht bei einer Internetschule, die 30 km entfernt war. Die rechtliche Grundlage ist § 35 SGB VIII (Hilfe für Kinder und Jugendliche im Ausland).

Gerhard Lichtenberger ist SPD-Mitglied des Stadtrats in Bochum und Vorsitzender des SPD-Stadtbezirks Bochum-Süd. Die Beziehungen zu Ungarn wurden bereits von seinem Vorgänger Hellmuth Burchhardt 1986 geknüpft (Evangelischer Kirchenkreis Gelsenkirchen und Wattenscheid). Gerhard Lichtenberger leitete nach eigenem Bekunden rechtliche Schritte gegen den WDR ein.

Die Internetbeschulung sei von Sarah Lichtenberger, Tochter Lichtenbergers, vorgenommen worden. Die Beschulung kostet 787 Euro pro Monat.

Paul sei nach Angaben von Life von Jennifer Krautscheid-Steffen, Tochter von Gerhard Lichtenberger, zuständige Koordinatorin der Life Jugendhilfe, „in Begleitung einer Psychologin oder einer Ärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) Datteln“ regelmässig besucht worden. Sie wurde laut Handelsregistereintrag vom 29.05.2015 als weitere Geschäftsführerin bestellt.

Rainer Dieffenbach, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Vestischen Kinder- und Jugendklinik, arbeitete eng mit der Life Jugendhilfe GmbH als Gutachter auf Honorarbasis zusammen, um Maßnahmen einzuschätzen und die Therapie mitanzubieten. Die Klinik einigte sich mit Dieffenbach, diese Nebentätigkeit aufzugeben.

Bereits 2010 hatte die Life Jugendhilfe einen 15-jährigen Jungen aus Herne von einem Ofenbauer in Ungarn betreuen lassen. Aufgrund der massiven Intervention der Großmutter wurde er zurückgeholt. Die Stadt Herne räumte inzwischen ein, die Betreuung trotz der Hinweise auf Missstände vor Ort nicht kontrolliert zu haben. Gudrun Thierhoff, Jugenddezernentin der Stadt Herne erklärte, da die Life Jugendhilfe nicht den 2013 in Herne aufgestellten Qualitätsstandards entspreche, bringe die Stadt über diesen Träger sowieso keine Kinder mehr im Ausland unter.

Mitte Mai 2015 gelang es dem Rechtsanwalt Thomas Saschenbrecker, den Jungen Paul aus Ungarn zurückzuholen. In Bochum berichtete die Sozialdezernentin Britta Anger, dass die Entgelt- und Vertragskommission des Bochumer Jugendamts die Qualitätskriterien für individualpädagogische Maßnahmen überprüft habe. Man wolle sich die Belege aber noch einmal erneut anschauen.

Als sich der Staub gelegt hat, konnte das Jugendamt der Stadt Bochum keine Probleme mehr erkennen Nachdem die Jugendamtsverwaltung erklärt hatte, keine rechtlichen Schritte einleiten zu wollen, stellte die CDU-Ratsfraktion Bochum am 18.02.2016 Strafanzeige.

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