Neustart Kft

Die Neustart Reszocializációs Kft war ein in Ungarn registriertes Unternehmen der Jugendhilfe. Gesellschafter von Neustart waren Alfons Wissmann, damals Leiter des Jugendamts Gelsenkirchen, und Thomas Frings, stellvertretender Leiter des Jugendamts Gelsenkirchen. Die Firma war unter der Registrierungsnummer 02-09-069761 ab 4. Januar 2005 unter zwei Domizilen in Pécs notiert: Körömvirág utca 12 sowie Erdész utca 145. Das Stammkapital betrug 3 Millionen Forint. Die Stadt Gelsenkirchen genehmigte Wissmann 2004 die Nebentätigkeit als Geschäftsführer und Betreiber des Heims in Ungarn, Wissmann wiederum erteilte seinem Stellvertreter Frings die Genehmigung. Nach einer internen Kritik sicherte Wissmann daraufhin seinen Vorgesetzten zu, zum 01.04.2005 seine Tätigkeit als Geschäftsführer bei Neustart einzustellen und die Gesellschaftsanteile abzutreten; Wissmann übertrug seinen Gesellschafteranteil seiner Frau, Frings seinem Bruder. Wissmann erteilte weiter die Weisungen. 2009 wurde die Einrichtung wegen finanzieller Probleme abgestoßen.

Das Fernsehmagazin Monitor berichtete am 30.04.2015 über dieses Unternehmen. Alfons Wissmann und Thomas Frings wurden von Monitor beschuldigt, immer mehr Kinder und Jugendliche an das katholische St.-Josef-Heim in Gelsenkirchen geschickt zu haben, von dem aus Kinder und Jugendliche weiter an das Heim in Pécs, Ungarn, des Unternehmens Neustart Reszocializációs Kft. geschickt wurden. Neustart erhielt pro Kind monatlich 5500 Euro vom deutschen Staat.

Die Kinder seien nicht nach einem pädagogischen Konzept betreut worden, auch sei die Schulbildung nicht sichergestellt gewesen. Frings hatte zudem dafür gesorgt, dass der Gelsenkirchener Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes die Buchhaltung für Neustart ausführt. Der Ortsverband des Kinderschutzbunds erhielt hierfür 5 Euro pro Tag und Jugendlichem. Stellvertretender Vorsitzender des Gelsenkirchener Ortsverbands war Thomas Frings Der Vertrag wurde von einem weiteren Angehörigen des Vorstandsmitglied unterzeichnet, die selbst Mitarbeiterin des Jugendamts war.

Alfons Wissmann ist nicht mehr Amtsleiter. Anja Gresch, Leiterin des St.-Josefs-Heims in Gelsenkirchen, habe in mindestens fünf Fällen in Gladbeck im Rahmen sogenannter Hilfeplan-Gespräche, an denen Amt, Eltern und Jugendliche beteiligt gewesen seien, zur intensivpädagogischen Maßnahme in Ungarn geraten. In einer Informationsbroschüre von Neustart sollen das St.-Josefs-Heim als Kooperationspartner und Anja Gresch als Ansprechpartnerin genannt worden sein.

Organisationen und Einzelpersonen erstatteten nach dem Monitor-Beitrag Strafanzeige gegen verschiedene Verantwortliche. Die Staatsanwaltschaft Essen, Zweigertstraße 56, 45130 Essen, führt die Ermittlungen unter dem Aktenzeichen 53 Js 534/15 durch.

Alfons Wissmann nahm Stellung: „Im Jahr 2004 entwickelten Herr Frings und ich die Idee ein intensivpädagogisches Konzept zu entwickeln, mit hoher pädagogischer Dichte. Dieses sollte im Ausland sein, um jungen Menschen in einem neuen Setting einen Neustart zu ermöglichen. (…) Es ging uns bei Neustart darum, eine hochqualifizierte, hauptamtlich geführte intensivpädagogische Maßnahme anzubieten. Dass das nun als Kassemachen interpretiert wird, schockt mich. Ich habe damit kein Geld gemacht, sondern werde eher in die Verlustzone rutschen, weil die Immobilie nur zu einem deutlich reduziertem Kaufpreis veräußert werden kann bzw. scheint sie fast unverkäuflich zu sein.“

Anja Gresch, Heimleiterin des Kinderheims St. Josef in Gelsenkirchen, klagt gegen ihre Kündigung vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen. Auch Frings klagt vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen. Die jeweiligen Verhandlungstermine befinden sich auf Aktuelles.

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